Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Salzburg, Hr. Dr. Heinz Schaden

Gesendet, am 21.01.2017, an buergermeister@stadt-salzburg.at

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Heinz Schaden!

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Abb. 1: links: 2002, Skulptur stehend vor Rockhouse Salzburg; rechts: 2017, Skulptur liegend auf einer Böschung

2002 erhielten ich und weitere sechs StudentInnen der Klasse Bildhauerei am Mozarteum Salzburg den Auftrag, im Zuge der von der Stadtgemeinde Salzburg finanzierten Renovierung des Rockhouse Salzburg, die Notausgangspoller künstlerisch zu gestalten. Jeder von uns schuf damals eine Skulptur,  die schließlich vor dem Eingang des Rockhouse aufgestellt wurde (siehe Abb. 1). Diese Skulpturen  haben bisher das Erscheinungsbild des Rockhouse Salzburg maßgeblich künstlerisch geprägt.

Wie wir im Nachhinein erfahren haben, mussten die Skulpturen 2016 im Zuge von Umbauarbeiten demontiert werden, leider erhielten wir ausführenden KünstlerInnen im Vorfeld darüber keinerlei Information.

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Abb. 2: Knoll, Ricky: Zeitgenössische Stahl-Skulptur im Gebüsch „zwischengelagert“. In: Stadt Nachrichten, 2017, Nr. 2, S.15

Frau Mag. Ingrid Tröger-Gordon spricht in ihrer medialen Stellungnahme (siehe Abb. 2) lediglich von drei Skulpturen. Dies verwundert mich sehr, da sie als Leiterin der Magistratsabteilung 2 – Kultur, Bildung und Wissen eigentlich darüber informiert sein müsste, dass es sich um insgesamt sieben Skulpturen handelt. Was ist mit den anderen Skulpturen passiert?

Offenbar sind über die Hälfte der Skulpturen verschwunden! Eine der damals beteiligten Künstlerinnen hat mir rückgemeldet, dass sie über den Verbleib ihrer Skulptur bisher nicht informiert wurde. Ihre Skulptur wurde offensichtlich ohne ihr Wissen entsorgt!

Anfang Dezember 2016 wurde ich erstmals vom Geschäftsführer des Rockhouse Salzburg, Hr. Wolfgang Descho, diesbezüglich kontaktiert. Er hat mir damals mitgeteilt, dass meine Skulptur schon seit einigen Wochen vor dem Rockhouse Salzburg liegt und er ratlos ist, wie damit weiter verfahren werden soll. Dies deshalb, weil die Stadt bisher keinen alternativen Standort zur Verfügung stellt und auch keinerlei Ambitionen zeigt, die Skulpturen sachgemäß einzulagern. Das Rockhouse Salzburg ist mit der Suche einer Lösung offensichtlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen und hat sich in seiner Not mit der Bitte an mich gewandt, ich solle doch selbst nach einem alternativen Standort suchen!

Festhalten möchte ich hier, dass es nicht meine Aufgabe ist, hier eine Lösung für den Umgang der Stadtverantwortlichen mit  junger zeitgenössischer Kunst zu suchen! Trotzdem habe ich Überlegungen zu einen alternativen Standort angestellt und diese Hr. Wolfgang Descho mitgeteilt. Offensichtlich hat er meine Vorschläge nicht weitergeleitet oder sie wurden von den Stadtverantwortlichen einfach ignoriert!

Alles in allem kann ich zusammenfassen:

  • ich wurde vorab nicht darüber informiert, dass meine Skulptur entfernt wird
  • über die Suche nach einem alternativen Standort wurde ich erst informiert, nachdem das Rockhouse nicht mehr weiter wusste
  • von Seiten der Stadt kam keinerlei Information über die Angelegenheit
  • die Stadtverantwortlichen haben nie das Gespräch mit mir gesucht und ich wurde von diesen Herrschaften auch nicht in die Suche nach einem alternativen Standort mit einbezogen!

Erst durch das große Medieninteresse an diesem Skandal  lässt sich Frau Mag. Ingrid Tröger-Gordon dazu bewegen, im Frühjahr 2017 nach einer Lösung zu suchen (siehe Abb. 2) obwohl schnelles Handeln von Nöten wäre!

Die von mir gefertigte Skulptur ist aus Stahl und ist für die Senkrechte konzipiert. Wie jeder weiß, ist Stahl verformbar. Es ist also davon auszugehen, dass durch die unsachgemäße Umlegung und durch die Lagerung auf einer Böschung (im Dreck!!!) erheblicher irreparabler Schaden entstanden ist (siehe Abb. 1).

Dass Frau Mag. Ingrid Tröger-Gordon hier von einer „Zwischenlagerung“ spricht (siehe Abb. 2), ist eine Unverschämtheit sondergleichen! Ein solcher Umgang mit Kunst ist meiner Meinung nach nicht zu akzeptieren! Man stelle sich nur vor, wenn bei Umbauarbeiten etwa die Essiggurkerl von Erwin Wurm einfach in den Furtwänglerpark geschmissen werden, oder etwa der Mozart von Markus Lüpertz einfach an der Salzachböschung abgelegt wird! Dass dann das Argument greifen würde, diese Skulpturen sind ja aus Bronze, dass wird ihnen schon nichts tun, bezweifle ich! Sind etwa die jungen zeitgenössischen Positionen weniger mit Achtsamkeit zu behandeln? Ich sage NEIN! Vielmehr sollte es die Aufgabe einer Stadt sein, verantwortungsvoll, sorgsam und somit wertschätzend mit der ihr anvertrauten Kunst im öffentlichen Raum umzugehen!

15 Jahre stand meine Skulptur vor dem Rockhouse Salzburg, und prägte somit die Salzburger Kulturszene mit. Der „Vorbehalt“ von dem Frau Mag. Ingrid Tröger-Gordon spricht (siehe Abb. 2), war und ist für mich nicht von Relevanz!

Aktuell liegt meine Skulptur im Dreck (siehe Abb. 1) und über die Hälfte der ursprünglich vor dem Rockhouse platzierten Skulpturen sind verschwunden und wurden vermutlich einfach entsorgt! Es hätte schon längst ein zumindest gleichwertiger Standort gefunden werden müssen!

Dass mein Aufschrei bezüglich dieses skandalösen Umganges mit zeitgenössischer Kunst von Seiten der Stadt einfach banalisiert wird, er für die Verantwortlichen mehr ein Ärgernis als akuten Handlungsbedarf darstellt und die Lösung dieses beschämenden Sachverhaltes lieber auf die lange Bank geschoben wird als schnell und verantwortungsbewusst zu handeln, schmerzt umso mehr!

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Abb. 3: Die Umbauarbeiten des Paracelsusbades betreffen die Skulptur “Paracelsus” von Josef Thorak nicht

Dass diese Geschichte mit meiner Skulptur genau zu dem Zeitpunkt aktuell wird, während ich für einen „Perspektivenwechsel“ im Mirabellgarten eintrete (http://derstandard.at/2000049448450/Salzburg-und-der-Nazi-Kitsch), die Monumentalskulptur PARACELSUS von Josef Thorak den derzeitigen Umbauarbeiten des Paracelsusbades (noch?) nicht weichen musste und nach wie vor unkommentiert im öffentlichen Raum präsent ist (siehe Abb. 3), ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich keine böse Absicht, aber doch paradox.

Ich fordere Sie als Bürgermeister und als Ressortchef der Magistratsabteilung 2 – Kultur, Bildung und Wissen auf,

  • die Versäumnisse der Abteilung, für die sie politisch verantwortlich sind, umgehend nachzuholen,
  • den Verbleib der restlichen Skulpturen zu klären
  • diesen beschämenden Umgang mit junger zeitgenössischer Kunst sofort zu unterbinden und
  • die für diesen Skandal inkompetenten Stadtverantwortlichen sofort von ihren Aufgaben zu entbinden!

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Toporis
Bildhauer und Aktionskünstler